Das EU Energieeffizienzziel von 30% bis 2030 – Eine Einschätzung

Die Kommission hat am 23.7.2014 vorgeschlagen, für das Jahr 2030 ein Effizienzziel von 30% zu festzulegen. Was heißt das nun? Wie groß sind die notwendigen Bemühungen zur Verbrauchsreduktion? Was heißt das in absoluten Größen? Die Nachvollziehung ist nicht ganz einfach, da eine Reihe von Detailangaben fehlen.

Trotzdem ein Versuch einer Einschätzung

Ich gehe davon aus, dass die Zielsetzung im Verständnis gewissermaßen als Fortschreibung der 2020 Ziele zu verstehen ist. Das 2020-Energieeffizienzziel definiert sich gegenüber einer Projektion ohne besondere Anstrengungen, also Business As Usual (BAU). In der gültigen Energieeffizienzrichtlinie (mit dem 2020 – Ziel) wird von einem Bezugsjahr – in dem die Projektion startet – von 2007 gesprochen. Demnach ergäbe sich laut Richtlinie bis 2020 im BAU ein Primärenergieverbrauch von 1842 Mio. t RÖE (1). 20% weniger sind demnach 1474 Mio. t RÖE, also wären 368 Mio. t durch Effizienz- bzw. Einsparmaßnahmen zu realisieren. Im Jahr 2007 war der Energieverbrauch auf einem Höhepunkt. Kurz danach brach der Verbrauch im Rahmen der Finanzkrise ein. Der Zuwachs im BAU-Szenario bis 2020 gegenüber 2007 ist sehr gering.

Im Jahr 2012 betrug der Primärenergieverbrauch 1682 Mio. t RÖE (2). Dh, das notwendige Einsparvolumen beträgt noch 208 Mio. t RÖE. Das sind 12% gegenüber dem Verbrauch im Jahr 2012. Vereinfacht entspricht dies 1,5 % pro Jahr Einsparung. So, und das entspricht genau dem Ziel der Effizienzrichtlinie, 1,5% pro Jahr durch Einsparmaßnahmen zu realisieren. So gesehen hat man sich offenbar bei der Zielsetzung zumindest statistisch was überlegt.

Für 1,5% pro Jahr muss man was tun. Aber es ist auch nicht wirklich ambitioniert. Die Entwicklung der Energieintensität in Europa (Energie/BIP) zeigt seit 1995 (bis 2012) eine Verbesserung um 25% (also 1,7% pro Jahr) (2).

2020 bis 2030

Die EU erläutert in einem Infodokument (3), dass im Jahr 2030 ein Primärenergieverbrauch von 1307 Mio. t RÖE nicht überschritten werden soll. Das ist ein Wert von 11% unter dem Zielwert von 2020.

Rechnet man zurück, ergibt sich ein Primärenergieverbrauch im BAU-Szenario für 2030 von 1870 Mio. t RÖE. Das heißt, im BAU-Szenario ist vom BAU-Wert 2020 zum BAU-Wert 2030 ein Zuwachs von nur noch 1,5% eingerechnet. Damit lässt sich die einzusparende Menge berechnen (also Reduktion um die 11% plus der BAU-Zuwachs). Absolut sind das dann ca. 193 Mio. t RÖE.

Anders ausgedrückt ist eine jährlich Einsparung (von 2020 ausgehend bis 2030) von rund 1.4% notwendig. Damit liegt das Erfordernis für die Jahre 2020 bis 2030 etwas unter der Vorgabe bis 2020. Wenn man bedenkt, dass die Potentiale mit der Zeit geringer werden, kann man in einer Grobeinschätzung festhalten, dass die Effizienzvorgabe bis 2020 in das Jahr 2030 fortgesetzt wird.

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Gross: EU-Energieeffizienzziele (BAU, Ist-Entwicklung und Zielpfad)

Quellen:
(1) EU Energieeffizienzrichtlinie 2012/27/EU
(2) European Commission, EU energy figures, statistical pocketbook 2014
(3) European Commission Memo, Questions and answers on the Energy Efficiency Communication

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